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18 Oktober 2026 · 6 Min. Lesezeit

Mehrsprachige Website: so gelingt der Schritt ins Ausland

Eine zweite Sprache ist mehr als eine Übersetzung. So wählen Sie Märkte, regeln Adressen und hreflang und halten alle Sprachversionen aktuell.

In diesem Artikel 5
  1. Mit den Märkten beginnen, nicht mit den Sprachen
  2. Die technische Basis: Adressen, hreflang und Sprachwahl
  3. Übersetzen heißt neu schreiben
  4. Rechtstexte pro Land
  5. Pflege: alle Versionen auf demselben Stand halten

Viele deutsche Unternehmen arbeiten über die Grenze hinweg: für Kunden in Österreich und der Schweiz, für Einkäufer in den Niederlanden und Belgien oder für internationale Partner. Eine zweite Sprache auf der Website wirkt wie eine Übersetzungsaufgabe, ist aber vor allem eine Frage der Struktur. Wie finden Suchmaschinen die richtige Version? Wie landen Besucher auf der Seite in ihrer Sprache? Und wie halten Sie alle Versionen aktuell, wenn sich die deutsche Seite ändert? In diesem Beitrag lesen Sie, wie Sie Schritt für Schritt vorgehen.

Mit den Märkten beginnen, nicht mit den Sprachen

Die erste Frage ist nicht, welche Sprachen Sie möchten, sondern welche Märkte. Schon der deutschsprachige Raum zeigt, warum: In Österreich heißt der Januar „Jänner“, in der Schweiz schreibt man ohne ß und rechnet in Franken statt in Euro. In Belgien spricht man in Flandern Niederländisch, in der Wallonie Französisch und in Brüssel beides. Niederländische und flämische Kunden sprechen dieselbe Sprache, sind aber unterschiedliche Begriffe und einen anderen Ton gewohnt. Englisch funktioniert gut für internationale Einkäufer, ist aber selten die beste Sprache für einen Kunden in Amsterdam oder Lüttich.

Beantworten Sie pro Markt einige Fragen, bevor Sie etwas übersetzen lassen:

  • Wo sitzen Ihre Kunden heute, und wo möchten Sie wachsen?
  • In welcher Sprache beantworten Sie Anfragen? Bieten Sie eine Sprache nur an, wenn Sie darin antworten können, oder sagen Sie klar, in welcher Sprache Sie zurückschreiben oder anrufen.
  • Welche Rechtstexte und Unternehmensangaben braucht das jeweilige Land?
  • Welche Seiten müssen wirklich in dieser Sprache vorliegen? Oft sind das Startseite, wichtigste Leistungen, Referenzen, Kontakt und die Rechtstexte.

Die technische Basis: Adressen, hreflang und Sprachwahl

Jede Sprachversion braucht eine eigene Adresse. Dafür gibt es drei gängige Wege: eigene Länderdomains (.de, .at, .ch, .nl), Subdomains (en.ihrefirma.de) oder Unterverzeichnisse (ihrefirma.de/en/). Länderdomains senden ein klares lokales Signal, bedeuten aber mehr Pflege und verteilen Ihre Verlinkungen auf mehrere Websites. Unterverzeichnisse sind für die meisten Unternehmen am einfachsten: eine Domain, eine Verwaltungsoberfläche, und alle Versionen profitieren von derselben Autorität.

Mit hreflang-Angaben teilen Sie Suchmaschinen mit, welche Seiten Übersetzungen voneinander sind. Jede Version verweist auf alle anderen und auf sich selbst, und die Verweise müssen gegenseitig sein, sonst ignoriert Google sie. Verwenden Sie die richtigen Codes: de für Deutsch, de-AT oder de-CH nur für eigene österreichische oder Schweizer Versionen, nl für Niederländisch, fr-BE für belgisches Französisch, en für Englisch und x-default für die Version, die Besucher ohne passende Sprache erhalten. Klassische Fehler sind „ch“, „be“ und „uk“ als Codes: Das sind Chamorro, Weißrussisch und Ukrainisch, nicht die Schweiz, Belgien und das Vereinigte Königreich.

  • Jede Sprache hat eigene URLs; wechseln Sie die Sprache nicht nur per Cookie oder Skript, sonst sehen Suchmaschinen nur eine Version.
  • Jede Sprachversion hat einen Canonical-Tag, der auf sich selbst verweist, nicht auf die deutsche Seite.
  • Die Sprachauswahl führt zur selben Seite in der anderen Sprache, nicht zur Startseite.
  • Das lang-Attribut im HTML stimmt auf jeder Seite; Screenreader nutzen es für die richtige Aussprache, und WCAG verlangt es.
  • Titel und Meta-Beschreibungen sind pro Sprache geschrieben, und die Sitemap enthält alle Versionen.
  • Leiten Sie Besucher nicht automatisch anhand von IP-Adresse oder Browsersprache um. Google rät davon ab, unter anderem weil es überwiegend aus den USA crawlt; ein Hinweis wie „Diese Seite gibt es auch auf Englisch“ funktioniert besser.

Übersetzen heißt neu schreiben

Eine maschinelle Übersetzung ist ein brauchbarer erster Entwurf, aber kein Endergebnis. Lassen Sie jede Version von jemandem prüfen, der die Sprache als Muttersprache spricht und Ihre Branche kennt. Übersetzen Sie auch keine Suchbegriffe, sondern recherchieren Sie sie pro Markt: Ein deutscher Einkäufer fordert ein „Angebot“ an, ein niederländischer bittet um eine „offerte“, und selbst zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz unterscheiden sich manche Begriffe. Der Keyword-Planer von Google und die Suchanfragen pro Land in der Search Console zeigen, welche Wörter Menschen tatsächlich verwenden.

Achten Sie auch auf die Details, an denen man erkennt, dass eine Website wirklich für einen Markt gemacht ist. Datumsangaben schreibt man in Deutschland als 18.10.2026, in den Niederlanden als 18-10-2026 und in Belgien oft als 18/10/2026. Telefonnummern erhalten die richtige Ländervorwahl (+49, +43, +41, +31, +32). Zeigen Sie Preise, kennzeichnen Sie für Geschäftskunden klar, dass sie zuzüglich Mehrwertsteuer gelten, und nennen Sie für die Schweiz die Währung. Nutzen Sie, wo möglich, Referenzen aus dem jeweiligen Land: Ein Einkäufer in Wien liest lieber über ein Projekt in Graz als über eines in Stuttgart.

Rechtstexte pro Land

Für Ihre deutsche Website gelten das Impressum nach § 5 DDG, die Datenschutzerklärung nach DSGVO, die Einwilligung für Cookies nach § 25 TDDDG und, wenn Sie online an Verbraucher verkaufen, das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. Die E-Commerce-Richtlinie verlangt in der ganzen EU ähnliche Anbieterangaben; stellen Sie diese Angaben, die Datenschutzerklärung und Ihre AGB in jeder Sprache bereit, in der Sie Kunden bedienen.

Einige Länder haben eigene Regeln. Die Schweiz gehört nicht zur EU und hat ein eigenes, revidiertes Datenschutzgesetz, das seit September 2023 in Kraft ist. In den Niederlanden und Belgien erwarten die Datenschutzbehörden, dass das Ablehnen von Cookies so einfach ist wie das Zustimmen. Lassen Sie die Texte für jedes Land von jemandem erstellen oder prüfen, der das dortige Recht kennt: Eine Übersetzung Ihrer deutschen AGB passt nicht automatisch zum Recht eines anderen Landes. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung.

Pflege: alle Versionen auf demselben Stand halten

Das größte Risiko einer mehrsprachigen Website entsteht nach dem Start: Die deutschen Seiten werden aktualisiert, die englischen und niederländischen nicht. Nach einem Jahr stimmen Leistungen, Kontaktdaten oder Bedingungen nicht mehr überein. Verhindern Sie das mit einer Verwaltungsoberfläche, in der Übersetzungen miteinander verknüpft sind und pro Sprache sichtbar ist, was noch übersetzt werden muss. Benennen Sie pro Sprache eine verantwortliche Person, und vergleichen Sie die Versionen jedes Quartal nebeneinander.

Ein Stufenplan, der sich in der Praxis bewährt:

  1. Wählen Sie die Märkte und legen Sie pro Markt Sprache, Kontaktwege und rechtliche Anforderungen fest.
  2. Wählen Sie die Adressstruktur; für die meisten Unternehmen ist das eine Domain mit einem Unterverzeichnis pro Sprache.
  3. Lassen Sie die Kernseiten übersetzen und von Muttersprachlern prüfen, mit Suchbegriffen pro Markt.
  4. Richten Sie hreflang, Canonicals, Sprachauswahl, lang-Attribute und Sitemap ein und testen Sie alles vor dem Livegang.
  5. Messen Sie pro Sprache und Land in der Search Console und bauen Sie die übersetzten Seiten dort aus, wo die Nachfrage ist.

Wir entwickeln Websites in jeder Sprache, und unsere eigene Website funktioniert genau so: Niederländisch auf der Hauptdomain, Englisch und Deutsch in Unterverzeichnissen, mit hreflang-Angaben für nl, nl-BE, en und de sowie x-default. Unsere Gespräche führen wir auf Englisch; die Websites selbst liefern wir in jeder Sprache, die Ihre Märkte brauchen.

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